Forschungsgruppe
Systemanalyse für Verwaltung und Politik (SVP)

Die Forschungsgruppe "Systemanalyse für Verwaltung und Politik" (SVP) hat sich im WS 1987/88 an der Universität Duisburg konstituiert. Damit wird die Forschungstätigkeit fortgesetzt, die im Rahmen der "Projektgruppe Verwaltung und Publikum" 1972 in Bielefeld begonnen wurde und in deren Rahmen theoretische und empirische Analysen in verschiedenen Politikfeldern entstanden sind.

Die Forschungsgruppe wurde sowohl an die Universität Duisburg-Essen als auch an das Rhein-Ruhr-Institut für Sozialforschung und Politikberatung (RISP) angebunden, in dessen Rahmen vor allem (empirische) Forschungsarbeiten und Beratungsaufgaben durchgeführt werden. Seit der Emeritierung von Professor Grunow im Frühjahr 2010 sind die Forschungstätigkeiten ausschließlich im RISP verankert. Die SVP beschäftigt sich sowohl mit grundlegenden als auch mit aktuellen Problemen des Politik- und Verwaltungssystems. Der Schwerpunkt liegt bei der lokalen Umsetzung (Implementation) politischer Programme sowie bei Fragen der Verwaltungsmodernisierung und der international vergleichenden Verwaltungsanalyse. Hieraus ergibt sich auch die Notwendigkeit, theoretische und methodische Analysen durch Austausch, Beratung und Kooperation mit den "Praktikern" in und außerhalb der öffentlichen Verwaltung, den Verbänden und regionalen Institutionen zu ergänzen.

Durch eine umfangreiche empirische Forschungspraxis in unterschiedlichen Politik- und Verwaltungsbereichen sind im Rahmen der Forschungsgruppe die Voraussetzungen dafür geschaffen worden, sowohl in der Grundlagenforschung mitzuwirken als auch anwendungsorientiert aktuelle Problemstellungen bearbeiten zu können. Hierfür sehen wir in der Verbesserung von Information und Kommunikation zwischen "Wissenschaft und Praxis" eine unerläßliche Voraussetzung.

Die laufend aktualisierte Übersicht (bezogen auf die letzten beiden Jahre) soll in knapper Form über Forschungsthemen sowie (ausgewählte) Publikationen der Forschungsgruppen- Mitglieder informieren. Damit wird ein Überblick über bisherige und aktuelle Arbeiten und Ergebnisse der Forschungsgruppe gegeben sowie Zugang zu den verfügbaren Unterlagen erleichtert. Eine ausführliche Veröffentlichungsliste liegt als Handout vor und kann bei der Forschungsgruppe angefordert werden.

Zur Information über aktuelle Themen dienen zudem die von der Forschungsgruppe erstellten "Nachrichten und Informationen aus der Forschung", die etwa 1 mal im Jahr erscheinen.

Seit 1998 wurde ein verwaltungswissenschaftliches Kolloquium eingerichtet, das derzeit nach Bedarf den Fortlauf der laufenden Dissertationen zur Diskussion stellt. Termin- und Themenplanung ist auf Anfrage bei der SVP verfügbar.

Laufende Projekte

Kommunalverwaltung in China und Deutschland

Im Rahmen eines erneut von der Haniel-Stiftung geförderten Folgeprojektes wurden – in Zusammenarbeit mit Professor Heberer – reformbezogene Fragestellungen nun auf den Bereich Umweltpolitik und ihre örtliche Implementation konzentriert. Die erste Forschungsreise führte im Herbst 2007 in städtische Regionen (Xiamen, Shihezi, Yinkou). Eine weitere Reise (im März 2009) führte – in Fortsetzung der früheren empirischen Untersuchungen in städtischen Räumen – diesmal mit vergleichbaren Fragen in drei ländlichen Regionen: in den Kreisen Deqing (Gemüseanbau), Shouguang (Teeanbau) und Nanfeng (Mandarinenanbau) wurden erneut Besichtigungen durchgeführt und Interviews mit den für den Umweltschutz zuständigen Ämtern und Funktionsträgern geführt. Das Problembewusstsein für Umweltfragen hatte sich zwar gegenüber der Untersuchung von 2007 verändert (erweitert), die Implementationspraxis aber nicht. In den ländlichen Regionen sind zudem andere Problemschwerpunkte zu beobachten als in den Großstädten. Wasserqualität und vor allem Müllbeseitigung, aber auch die Überdüngung des Bodens sind Kernprobleme der ländlichen Regionen. Ähnlich wie in den städtischen Beispielen fehlte es auch hier an einer wirksamen Verwaltungsorganisation und hinreichend breiten Kenntnissen und Kompetenzen des Personals sowie an dem Interesse der lokalen Parteiführungen an einer strikten Umsetzung der durchaus vorhandenen Gesetze und Vorschriften.
Das von der Hanielstiftung geförderte Projekt wurde im Mai 2010 durch eine internationale Fach-Konferenz zum Thema “Implementation of Environmental Policies in Urban and Rural China – Successes, Problems and Deficits” abgeschlossen. Es wurden ca. 18 Vorträge gehalten – etwa die Hälfte davon von chinesischen WissenschaftlerInnen. Inzwischen liegt die chinesische Publikation der Konferenzbeiträge vor (Grunow/Heberer 2012).

Die empirischen Arbeiten an dem Thema wurden durch eine weitere Forschungsreise im Februar 2012 abgerundet und vorläufig abgeschlossen. Die Forschungen fanden im Gebiet der Yi – Minderheit statt (insbes. Xichang und Meigu) und betrafen damit Fragen der Umweltadministration in einer Kreisstadt und Dörfern in einer ländlichen, bergigen und sehr armen Region. Inhaltlich sind vor allem die Bodenerosion (durch Abholzen der Bergwälder) und die Müllbeseitigung von Belang. Hinsichtlich der Organisation der lokalen Umweltgovernance ist die besondere Bedeutung der Clan-Stukturen bei den Yi sichtbar geworden.

Weitere Forschungsarbeiten (in Kooperation mit Professor Heberer) sind in Vorbereitung

Ansprechpartner/in: Prof. em. Dr. Dieter Grunow

Laufzeit:
März 2007 bis Mai 2010

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Forschungen zu den Implikationen der EU-Dienstleistungsrichtlinie: Expertenpositionen und Akteursinteressen, Implementationsvarianten

Ein Schwerpunkt der Forschung in den vergangenen Jahren (seit 2004) war die “Dienstleistungsrichtlinie” die erstmals im Februar 2004 von der EU-Kommission “Dienstleistungen im Binnenmarkt” (KOM (2004) 2 endg.) vorgelegt wurde.

Die SVP hat zunächst in Zusammenarbeit mit dem Forschungsinstitut für öffentliche Verwaltung (Speyer) ein Gutachten für das Ministerium für Wirtschaft und Arbeit des Landes Nordrhein-Westfalen erstellt, das eine Überprüfung des Richtlinienentwurfs aus rechts, verwaltungs-, und politikwissenschaftlicher Perspektive vornimmt. Damit konnte eine der ersten wissenschaftlichen Untersuchungen vorgelegt werden, die es erlaubte, die in der Öffentlichkeit äußerst kontrovers geführte Debatte zu bewerten und zu versachlichen. Eine weitere Untersuchung wurde 2006 abgeschlossen. Dabei ging es um ein wesentliches – in diesem Fall aber politisch nicht umstrittenes – Element der Dienstleistungsrichtlinie: den Einheitlichen Ansprechpartner (gem. Art. 6). Der Einheitliche Ansprechpartner soll die Niederlassung ausländischer Dienstleister erleichtern und insgesamt einen Beitrag zur Verwaltungsvereinfachung leisten.

Mit diesem Umsetzungsprozess hinsichtlich des Einheitlichen Ansprechpartners (EA), der dem „one window principle“ entspricht, befasst sich das anschließende – von der H. Böckler Stiftung geförderte – Forschungsprojekt. Gegenstand der empirischen Arbeiten war eine Bestandsaufnahme wichtiger EA-Varianten mit ihren Stärken und Schwächen – in Deutschland und insbesondere in NRW. Die Ergebnisse wurden in der Buchreihe des Sigma-Verlages zur „Modernisierung des öffentlichen Sektors“ publiziert.

Die Arbeit an dem Thema wird nun mit einer ergänzenden Betrachtung der Steuerungsimpulse durch die EU-Kommission fortgesetzt.

Ansprechpartner/in: Prof. em. Dr. Dieter Grunow

Laufzeit:
Dezember 2009 bis Dezember 2010

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Klimzug-Dynaklim: Politik, Planung und Verwaltung

Die SVP erweitert ihre Forschungsaktivitäten im Politikfeld Umweltschutz und bringt dabei erneut ihre Kompetenzen in der Politikfeldanalyse und Verwaltungswissenschaft ein.

Im Mittelpunkt des DynAKlim-Vorhabens stehen die möglichen Auswirkungen des prognostizierten Klimawandels auf die Verfügbarkeit und Nutzung des Wassers in der Region Emscher-Lippe und die damit verbundenen Folgewirkungen auf Bevölkerung, Wirtschaft und Umwelt. Mit dem Aufbau eines langfristig tragfähigen regionalen Netzwerks und einem regionsumfassenden Roadmap-Prozess unterstützt DynAKlim die Projektregion bei der Entwicklung zu einem pro-aktiv handelnden, zukunftsfähigen Ballungsraum mit einer wesentlich verbesserten Anpassungs- und Innovationsfähigkeit.

Ansprechpartner/in: Dipl. soz. wiss. Joachim Liesenfeld

Laufzeit:
August 2009 bis Dezember 2014

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