Forschungsgruppe ABS Gesellschaftlicher Wandel und Innovation
Im Zentrum der Forschung stehen Innovationsprozesse bei der politisch-administrativen Bewältigung zentraler gesellschaftlicher Herausforderungen der beiden ersten Dekaden des 21. Jahrhunderts. Die aktuellen Projekte sind dabei auf drei dieser Herausforderungen gerichtet:
- Klimawandel, Wasserwirtschaft und Umweltpolitik,
- Demografischer Wandel: zum Verhältnis von technologischen und sozialen Innovationsstrategien (E-Health, AAL und Telemedizin),
- Bildung und Übergänge in Arbeit, Beruf und Beschäftigung.
Gemeinsamer analytischer Ausgangspunkt der Forschungsprojekte der FG ABS sind die in den oben angeschnittenen Politikbereichen von statten gehenden Veränderungen der politisch-administrativen Steuerungsformen oder Governanceregime. Der Klimawandel erhöht die gesellschaftliche Vulnerabilität und bringt vielfältige Anpassungserfordernisse mit sich (von der Wasserwirtschaft über die Stadtplanung bis zum Gesundheitswesen). Wasser ist eine knappe und kritische Ressource. Water Governance ist gefordert, weltweit, in der EU (WRRL), im Mehrebenensystem, an Rhein und Ruhr, beim „Emscherumbau“. Der demografische Wandel erzwingt (u.a.) neue Steuerungsleistungen bei der Anpassung der sozialen und gesundheitlichen Versorgung, der Erweiterung der integrierten Versorgung auf dem 1. und 2. Gesundheitsmarkt. Schließlich erfahren die berufliche Bildung und das Übergangssystem von der Bildung in Beschäftigung ständige Reformzugriffe, um die Integration von Arbeitsgesellschaft und wirtschaftlichem Strukturwandel passfähiger zu machen.
Die Forschung der FG ABS ist auf die Identifizierung von Veränderungsmustern bei den Steuerungsformen und Governanceregimen in diesen Politikbereichen gerichtet. Diese können durchaus sehr unterschiedlich verlaufen, lassen gleichwohl auch ähnliche Veränderungsmuster erkennen. Auf drei Ebenen richtet sich dabei das Forschungsinteresse:
- Die Bewältigung der neuen Herausforderungen führt zu veränderten Konstellationen der (öffentlichen und privaten) Interaktion zwischen staatlichen Instanzen, kommunalen Akteuren, Unternehmen, intermediären Dienstleistern, Verbänden, Forschung und Medien.
- Die Komplexität und Interdependenz der Steuerungsinstrumente wie Recht und Gesetze, finanzielle Anreize, Planung, ökonomische Interessen, Macht, Werte und Normen, Beteiligung und Akzeptanz, Koordination und Kooperation steigert sich.
- Die Veränderungen finden bspw. bei der Anpassung an den klimatischen und demografischen Wandel immer auf den Ebenen von Technologie, Wissen, Sozioökonomie und Governance (inkl. Government) zugleich statt.
Die Analyse der Veränderungen von Steuerung und Governance führt zu facettenreichen Erkenntnissen und wird bei der Bewertung der Frage, wann Veränderungen auch Innovationen sind, geradezu spannend. Alle Projekte der Forschungsgruppe ABS haben ihren speziellen inhaltlichen Fokus. Es gehört darüber hinaus zum Selbstverständnis der Forschungsgruppe, dass Forschung projektbezogen und in Abhängigkeit vom Forschungsauftrag auch in Evaluation, Entwicklung, Beratung, Netzwerkbildung, Prozess- und Qualitätsmanagement Abbildung bzw. Übergänge finden kann.
Laufende Projekte
dynaklim
Dynamische Anpassung regionaler Planungs- und Entwicklungsprozesse an die Auswirkungen des Klimawandels am Beispiel der Emscher-Lippe Region
Im Rahmen des Programms „Klimawandel in Regionen zukunftsfähig gestalten (KLIMZUG)“ des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) entwickelt das auf fünf Jahre angelegte Vorhaben, das von einem interdisziplinären Konsortium von 12 Forschungsinstitutionen aus der Region und der Emscher-Genossenschaft / Lippe-Verband sowie rund 50 weiteren Netzwerkpartnern getragen wird, die Basis und wichtige Bausteine für eine zukünftig pro-aktive und antizipative Anpassung der Region Emscher-Lippe an die Auswirkungen des Klimawandels. Das Projekt hat einen besonderen Fokus in der Anpassung der Wasserwirtschaft und –infrastruktur der Region an den Klimawandel, greift darüber hinaus aber auch die Anpassungserfordernisse in anderen Bereichen sowie die besonderen Funktionen der politisch-administrativen Institutionen im Anpassungsprozess der Region auf.
Die FG ABS ist bei dynaklim ergebnisverantwortlicher Forschungspartner für einen von 5 fachlichen Arbeitsbereichen, den Arbeitsbereich „Politik, Planung und Verwaltung“ und führt u.a. die für die politische Ausrichtung der regionalen Klimaanpassungsstrategien (Roadmap 2020) grundlegenden Bevölkerungsbefragungen durch.
www.dynaklim.de
Laufzeit: Juli 2009 bis Juni 2014
Evaluation der Gewässerschutzberatung zur Umsetzung der europäischen Wasserrahmenrichtlinie (WRRL)
Im Kontext der EU-Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) wurden ca. 1/3 der in Nordrhein-Westfalen ausgewiesenen Grundwasserkörper wegen zu hoher Nitratkonzentrationen gemäß Grundwasserverordnung als in einem nicht guten chemischen Zustand befindlich ausgewiesen. Ursächlich ist diese Beschaffenheitsbeeinträchtigung auf landwirtschaftliche und gartenbauliche Bewirtschaftungseinflüsse zurückzuführen (Bewirtschaftungsplan 2010).
Zur Minderung dieser Belastungen und zur Erreichung der im Bewirtungsplan festgelegten Ziele wurde behördenverbindlich ein Maßnahmenrahmenprogramm festgelegt. Neben grundlegenden Maßnahmen zum Gewässerschutz wird in diesem Maßnahmenprogramm auch eine spezifische Gewässerschutzberatung festgelegt. Mit Erlass vom 12. März 2009 wurde die Landwirtschaftskammer NRW durch das MKULNV NRW mit der Umsetzung dieser Beratungsaufgaben beauftragt.
Das Ziel der Evaluationsstudie ist es, die Effektivität der bisherigen Umsetzung des Beratungskonzeptes in den Jahren 2009 bis 2011 entsprechend der Vorgaben des MKULNV NRW zu evaluieren und zu untersuchen.
Das Evaluierungsgutachten ist 2012 fertig gestellt und dem Auftraggeber vorgelegt worden. Im Anschluss daran überprüft der Auftraggeber die Umsetzung der Handlungsempfehlungen.
Auftraggeber: MKULNV NRW
In Kooperation mit IWW Rheinisch-Westfälisches Institut für Wasser Beratungs- und Entwicklungsgesellschaft mbH und der RISP GmbH
Laufzeit: Oktober 2011 bis Juni 2013
Perspektive Berufsabschluss
Im Kreis Wesel geht ein quantitativ bedeutsamer Teil der Jugendlichen nach dem Ende der Sekundarstufe I und der Pflichtschulzeit nicht unmittelbar in die duale Ausbildung oder in eine vollzeitschulische Ausbildungsmaßnahme über, sondern die Jugendlichen nehmen verschiedene Angebote eines im Laufe der Jahre gewachsenen „Übergangssystems“ auf.
Um dieses Übergangssystem in seiner Leistungsfähigkeit zu stärken und die Übergänge der Jugendlichen und jungen Erwachsenen in Beschäftigung systematisch zu fördern, nimmt der Kreis Wesel seit dem 01.09.2010 mit einem Projekt am Förderprogramm des BMBF „Perspektive Berufsabschluss“ teil, das den Namen „Bildungsbrücke statt Bildungslücke“ trägt.
Dieses Projekt wird von der FG ABS in Kooperation mit der RISP GmbH wissenschaftlich begleitet und evaluiert. Zu den Kernaufgaben gehören die Durchführung von Absolventenbefragungen in den Jahren 2011, 2012 und 2013 an den Berufskollegs des Kreises Wesel, die Durchführung von Verbleibstudien sowie die Analyse der Netzwerkbildung der Institutionen im Übergangssystem des Kreises Wesel.
Laufzeit: Januar 2010 bis Dezember 2013
Untersuchung der Handlungsspielräume und der Erreichbarkeit der Ziele der WRRL an der Unteren Wupper im Rahmen einer Kosten-Nutzen-Analyse am Beispiel der Wärmebelastung
Aufgabe des interdisziplinären Forschungsprojektes ist die Durchführung einer Kosten-Nutzen-Analyse zur Bewertung der Verhältnismäßigkeit von Maßnahmen zur Erreichung eines guten Gewässerzustands der Unteren Wupper am Beispiel der Wärmeeinleitung.
Laufzeit: Oktober 2011 bis Dezember 2013
Ambulantisierung - eine Chance für Logistikdienste
Die Forschungsgruppen des Arbeitsbereichs „Wirtschaft und Arbeit“ erstellen im Auftrag der Wirtschaftsförderung Herne für die kommunale Kooperation „Wirtschaftsfaktor Gesundheit im Mittleren Ruhrgebiet“ der Städte Bochum, Hattingen, Herne und Witten eine Studie zum Thema „Ambulantisierung – eine Chance für Logistikdienste“.
Ansprechpartner/in: Dipl. Soz. Wiss. Kay Loss
Laufzeit: August 2012 bis Mai 2013
Entwicklung eines Realisierungskonzepts für die Nutzung von Anlagen des Steinkohlebergbaus als unterirdische Pumpspeicherkraftwerke
Der Ausbau erneuerbarer Energien und deren verstärkte Integration in die Energieversorgung Deutschlands ist aktuell die vorrangige Aufgabe der Energiepolitik. Das Problem der Energiespeicherung selbst ist jedoch ungelöst. Die vorhandenen Speicherkapazitäten reichen zum Auffangen von Energie-Überangeboten nicht aus.
Laufzeit: Oktober 2012 bis April 2014