
Die im Jahre 2001 im RISP neu gegründete Forschungsgruppe Migration und interkulturelle Kommunikation (Mikom) befasst sich im weitesten Sinne mit Fragen des interkulturellen und interreligiösen Zusammenlebens aus der Perspektive der Bildungs-, Geistes- und Gesellschafts-wissenschaften. Im Mittelpunkt stehen dabei die vier Forschungsbereiche: Migration und Integration, Interkulturelle Pädagogik und Qualifizierung, Religionspolitologie und kulturreligiöse Konfliktforschung sowie internationale Hochschulforschung. Im Rahmen dieser vier Forschungsbereiche werden im Einzelnen die folgenden Aufgabenfelder bearbeitet:
Empirische Religionspolitologie und kulturreligiöse Konfliktforschung
Religionspolitologische und kulturreligiöse Politikberatung
Bei allen Forschungsbereichen und Aufgabenfeldern liegt der Schwerpunkt der Tätigkeiten eindeutig in der anwendungsorientierten Forschung. Die Durchführung von Forschungsprojekten erfolgt daher jeweils in enger Kooperation mit Migrantenorganisationen und Religionsgemeinschaften sowie mit kommunalen bzw. regionalen Partnern aus Wirtschaft, Verwaltung, Politik, Bildung und Kultur. Die Entwicklung, Erprobung und Durchführung kulturreligiöser Qualifizierungsmaß nahmen im inner- und außerschulischen Bildungsbereich erfolgt auf der Basis von empirischen Befragungen, um gewährleisten zu können, dass dabei die Interessen aller Beteiligten berücksichtigt werden.
Kulturreligiöser Hintergrund und religionspolitologischer Forschungsansatz
Unter den veränderten Rahmenbedingungen, die mit der Implementierung der Agenda von Lissabon und der europäischen Neuordnung von Studienregelungen zum Bologna Prozess entstehen, hat die Forschungsgruppe mikom ein Master-DUO Studienmodell mit erweiterten internationalen Studienmöglichkeiten im Verbund mit den beiden Partneruniversitäten Danzig und Duisburg-Essen entwickelt und erprobt.
Ansprechpartner/in: Prof. Dr. Manfred Bayer
Laufzeit: Jan. 2009 bis Sep. 2012
Präventions- und Fortbildungsangebote für staatliche und zivilgesellschaftliche Akteure gegen religiös wie säkular bedingte Formen von Fremdenfeindlichkeit und Extremismus
In Zeiten der Globalisierung und des world-wide-web sind zumindest die Vielfalt der (vermeintlich homogenen) Kulturen und Weltreligionen sowie ihre offenkundigen Unterschiede und Konflikte zwischen ihnen in den Fokus selbst lokaler Öffentlichkeiten gerückt. Befürchtet wird bis weit in die Wissenschaften hinein ein ‚Kampf der Kulturen’ (Huntington 1997) und neuerdings sogar ein ‚Krieg der Religionen’ (V. & V. Trimondi 2006), den es durch interkulturelle und interreligiöse Dialoge zu verhindern gelte. Mit der in den Medien wohl unvermeidlich verkürzten Redeweise werden ‚Kulturen’ und ‚Religionen’ zu Kollektivsubjekten erhoben, die kämpfen, glauben oder einen Dialog führen könnten.
Zwar bieten kollektive Wahrnehmungsmuster eine Reduktion von Komplexität und informieren über bestehende Differenzen zwischen ‚Kulturen’ und ‚Religionen’. Zugleich sind sie jedoch ein wesentlicher Bestandteil eben dieser Konflikte. Denn durch sie werden nicht nur die Unterschiede zwischen den Gläubigen in einer Religion und Menschen in einer Kultur weitgehend ausgeblendet, sondern auch die Gemeinsamkeiten von Menschen aus unterschiedlichen Kultur- und Glaubensgemeinschaften. Weil für immer mehr Menschen der Glaube an Gott zu einer Option unter vielen avanciert ist und an immer mehr Orten der Welt Menschen mit unterschiedlichen Glaubensformen und säkularen Weltsichten leben, gibt es indes sowohl Gemeinsamkeiten als auch Spannungen zwischen wie unter Gläubigen, Andersgläubigen und Nicht-Gläubigen. Kollektive Wahrnehmungsmuster führen also dazu, dass vermeintliche oder tatsächliche Differenzen zwischen Kollektiven als alleinige Begründung für komplexe Problemlagen herangezogen werden, die es nicht nur zwischen, sondern auch in ‚Kulturen’ und ‚Religionen’ gibt.
Kollektive Wahrnehmungsmuster, vor allem die Ethnisierung von Kultur und Religion, berühren längst auch das Miteinander vor Ort. Mentale und religiöse Differenzen führen insbesondere dann zu Konflikten, wenn sie durch (Kultur-)Nationalismen und ethnisierte Glaubenslehren fundiert werden. Dann kommt es zu einer polarisierenden Gegenüberstellung von vermeintlich Gläubigen und Ungläubigen, von säkularer und religiöser Kultur. Durch positive Selbst- und negative Fremdbestimmung werden national-kulturelle und ethnisch-religiöse, vermeintlich homogene Kollektivgemeinschaften und fundamental-dramatisierte Differenzen konstruiert. Auf diese Weise werden exklusive Zugehörigkeiten imaginiert, die leicht zu Diffamierung, Dämonisierung und Ausgrenzung führen. Vor allem an Orten wie Duisburg, in denen Gläubige, Andersgläubige und Menschen mit säkularer Orientierung aus verschiedenen ‘Kulturen’ und ‘Religionen’ leben, kommt es daher darauf an, zugleich Präventionsangebote gegen säkular als auch gegen religiös bedingte Formen von Fremden- und Deutschenfeindlichkeit zu entwickeln, die durch kollektive Stereotypen bzw. ethnisierte Wahrnehmungsmuster hervorgerufen werden.
Ansprechpartner/in: Dipl.-Soz.-Wiss. Peter Krumpholz
Laufzeit: Apr. 2011 bis Mar. 2014
Selten hat es so viel Streit über Religion gegeben wie in der jüngsten Vergangenheit. Die Debatten um den Karikaturenstreit, um den neuen Atheismus in unserer Gesellschaft, um die Kritik der protestantischen Kanzlerin an kirchenpolitischen Entscheidungen des Papstes, um die Islamkonferenz des Bundesinnenministers und die Integration der Muslime, um die Moscheeneubauten in München, Köln und Duisburg und die Schaffung eines „Euro-Islam“, um das Scheitern des Volksentscheids für den Religionsunterricht in Berlin, um das Minarettverbot in der Schweiz, um das Urteil des Bundesverfassungsgerichts zur Ladenöffnung an allen vier Adventssonntagen in Berlin sowie jüngst um die Missbrauchskrise der Katholischen Kirche: All diese zuletzt öffentlich ausgetragenen Kontroversen weisen darauf hin, dass Religion und Religionskritik mit Vehemenz in den öffentlichen Raum zurückgekehrt sind. Die Religionszugehörigkeit und Religiosität der Bürgerinnen und Bürger wird von Öffentlichkeit und Politik wenn nicht ausschließlich im Modus des Konflikts, so doch zunehmend in der Alternative zwischen politischer Konfliktverschärfung einerseits und gesellschaftlicher Koexistenz-, Integrations- und Kohärenzförderung andererseits wahrgenommen. Vor diesem Hintergrund stellt sich grundsätzlich die Frage nach der Vereinbarkeit religiöser und säkularer Überzeugungen mit dem Wertekanon der freiheitlich-demokratischen Grundordnung.
Ziel des Vorhabens ist es, einen ersten Beitrag zur Etablierung einer empirischen Religionspolitologie auf der Grundlage des theoretischen Konzepts der Religionspolitologie zu leisten, um darauf aufbauend eine repräsentative empirische Befragung der Bevölkerung Deutschlands durchzuführen.
Ansprechpartner/in: Dipl.-Soz.-Wiss. Peter Krumpholz
Laufzeit: Jan. 2011 bis Jun. 2013
Postanschrift:
Rhein-Ruhr-Institut
für Sozialforschung und Politikberatung e.V.
Heinrich-Lersch-Straße 15
D-47057 Duisburg
Hausanschrift:
Heinrich-Lersch-Straße 15
D-47057 Duisburg
Telefon: +49 (0)203 28099-0
Fax: +49 (0)203 28099-22
E-Mail: risp@uni-due.de
Homepage:
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